Gelungene philosophische ReiseJuli 19, 2008 170 aus 184 fanden die folgende Rezension hilfreich
Erst die negative Rezension in der FAZ hat mich veranlasst, das Buch zu lesen. Mein erster Gedanke war: Wenn so reagiert wird, muss das Buch wohl einen wunden Punkt getroffen haben. Und in der Tat, den hat es, denn es räumt mächtig auf mit der Selbstverliebtheit vieler Philosophen, die noch immer glauben, man könne sich der Welt durch reines Denken nähern. Oder die der Ansicht sind, man müsse Autoren wie Kant, Marx oder Luhmann im Original gelesen zu haben, um mitreden zu können. Verlangt ja bei Albert Einstein auch niemand.
Sehr erfrischend ist bereits die Einleitung, die deutlich macht, wie der Wissenschaftsbetrieb in den Geistes- bzw. Humanwissenschaften läuft: Ignoranz gegenüber anderen Disziplinen, Abgrenzung gegenüber anderen Positionen, Null Bock auf Lösungen. So gilt oftmals jegliches biologische Argument als Biologismus und im Umkehrschluss dann die Unkenntnis über naturwissenschaftliche Resultate als freies und kritisches Denken. Dass dabei nicht viel herauskommen kann, dürfte klar sein. Wie sehr diese kleine Attacke des Buches gesessen hat, erkennt man an der FAZ-Rezension: Sie beschäftigt sich fast ausschließlich mit eben dieser Einleitung.
Ich stimme nicht in allen Punkten mit dem Autor überein. Auch hätte ich mir hier und da eine andere Darstellung gewünscht, hier ein paar Details weniger, dort dann etwas mehr Tiefe. Auch mag es manchmal ungenau oder sogar "falsch" sein. Das macht aber alles nichts. Man kann es bei einem solchen Ansatz nicht jedem Recht machen. Und wer verlangt denn, dass das Buch perfekt ist?
5 Sterne, für den gelungenen Versuch, brennende philosophische Fragestellungen einmal interdisziplinär und auf der Höhe der Zeit zu beantworten.
Die wirklich interessanten Dinge des LebensApril 11, 2008 78 aus 86 fanden die folgende Rezension hilfreich
Schon am Titel merkt man, dass es sich hierbei um ein unterhaltsames, ein anderes Buch handelt. Ein Buch, dass einem das Hirn ein wenig verdreht. Und das ist wirklich so. Das Buch ist eine philosophische Reise und streift einige wirklich interessante Fragen: Was ist Wahrheit? Was ist Sprache? Gibt es Gott? Darf man Tiere essen? Brauchen wir Eigentum?... um nur einmal ein paar zu nennen. Das Tolle ist, dass Precht niemals belehrt, sondern vielmehr zum Denken anregt. Dazu vertritt er sehr oft verschiedene Sichtweisen argumentativ so gut, dass man erst der einen, dann der anderen lauthals zustimmen möchte, um am Ende eines Kapitels wirklich ins Grübeln zu kommen. Ganz nebenbei erfährt man auch sehr viel über die großen Philosophen. Die werden aber - anders als in anderen Philosophie-Büchern - nur am Rande erwähnt, etwa, wenn ihr Denken zu einer der Fragen, die Precht stellt, passt. Außerdem werden die Philosophie-Stars sehr menschlich dargestellt, manchmal erinnert das ein wenig an die philosophische Hintertreppe.
Alles in allem: Eine wunderbare Lektüre für zwischendurch, wenn man sich mal wieder um die wichtigen Dinge im Leben scheren möchte.
Über das Buch und die scharfen Kritiker des Buches ...August 6, 2008 47 aus 52 fanden die folgende Rezension hilfreich
Ich habe nicht nur das Buch gelesen, sondern auch einige der dazu veröffentlichten Kritiken, insbesondere die in der "FAZ" und der "SZ". Da diese Kritiken ziemlich abwertend ausfielen, möchte ich vorwegbemerken, dass ein Buch wie jedes Ding nur im Hinblick auf den jeweiligen Zweck gut sein kann. Es ist natürlich sehr einfach, bestimmte Anforderungen und Erwartungen an etwas zu richten, für das dieses Etwas nicht geschaffen wurde, um dann mehr oder weniger enttäuscht über die festgestellten Unzulänglichkeiten zu referieren. Genau das machen die Kritiker des Autors, wenn sie ihm mangelnde wissenschaftliche Präzision oder gar mangelnde inhaltliche Originalität vorhalten. Richard David Pechts Buch ist ein allgemein verständlich und zugleich multiperspektivisch konzipiertes Werk. Neben der Philosophie werden auch Wissensgebiete der Biologie, Psychologie und die Neurowissenschaften auf der Suche nach unserem Verständnis vom Ich besichtigt. Es gehört dabei jedoch gerade zu den Stärken des Autors, dass er Überblick vermitteln will und sich nicht auf eine ganz bestimmte Sichtweise oder Theorie im Sinne der absoluten Richtigkeit festlegen möchte. Der Dualismus von Geist und Materie etwa, als mögliche Kategorien zur Beschreibung des Menschen bleibt offen. Mir erscheint der Autor in diesem Werk wie eine Art Reiseleiter im Hubschrauberrundflug über eine riesige und insgesamt verwirrend komplex gebaute Stadt aus den verschiedenen Wissensgebieten. Ihm dabei nun am Ende eine gewisse Oberflächlichkeit im Hinblick auf einzelne Monumente dieser Stadt vorzuwerfen - etwa zur Theorie der Liebe - scheint mir zu einfach. Solche Kritik verkennt den Zweck eines solchen Rundfluges und ist besonders dann unangebracht, wenn man persönlich bereits ein guter Kenner dieses oder jenes einzelnen Gebäudes in dieser Stadt ist, das der Reiseleiter nun mit ein paar knappen Sätzen abzutun scheint, um den Blick seiner Gäste im nächsten Augenblick schon auf diese oder jene andere Denkwürdigkeit der Stadt zu lenken. Ich persönlich finde empfinde das Anregende und Qualitätvolle dieses Buches also weniger im Hinblick auf bestimmte Einzelaspekte, als vielmehr in der rasanten Abfolge, mit der uns die verschiedenen Zusammenhänge präsentiert werden und betrachte den Durch- oder Überflug auch deshalb nicht als unbefriedigend, weil dieses Buch - trotz eines anekdotischen Seitenhiebes auf die akademische Lehre "in braunen Busfahreranzügen" - insgesamt mit gewisser Bescheidenheit auftritt, insbesondere ohne Vollständigkeits- oder Letztgültigkeitsanspruch argumentiert. Unsere Bibliotheken und Buchhandlungen sind gut gefüllt mit speziellen Reiseführern zu bestimmten Wissensgebieten, und es bleibt somit jedem Leser überlassen, sich nach der Lektüre von Precht noch mit Luhmann, Kant oder Maturana näher zu befassen. Ein sehr ausführliches Literaturverzeichnis findet sich dazu im Anhang des Werkes.
Ich kann mich nicht beklagenJanuar 16, 2008 81 aus 96 fanden die folgende Rezension hilfreich
Das ist das erste Buch von Richard David Precht, welches ich gelesen habe und ich muss sagen, dass ich eine positiv Haltung zu diesem Buch habe. Der Inhalt des Buches ist gut zu verstehen, dass ich es für Einsteiger in die Philosophie, Neurowissenschaften und Psychologie weiterempfehle.
Precht beschäftigt sich mit den Fragen wer, was der Mensch ist und wie er funktioniert (kurz gesagt,was das Menschsein bedeutet). diese Fragen schlängeln sich von Kapitel zu Kapitel, in denen er spannende und interessante Themen anspricht und neue Denkanstöße gibt. Dabei verliert er nie die Hauptthematik aus den Augen. Man merkt, dass sich der Autor nicht nur drei Gedanken zu diesem Thema gemacht hat, sondern sich intensiv damit beschäftigt hat.
Da dieses Buch zum Nachdenken anregen soll, kann es passieren, dass Sie in der Mitte des Kapitels aufhören zu lesen. Da dieses Buch ziemlich viele Informationen, wie zb. Biographien und Theorien enthält, wird der Leser, welcher sich "frisch" mit diesen Bereichen (Neurowissenschaften,Psychologie und Philosophie) auseinandersetzt, langsamer mit dem Buch vorankommen, da er die Menge ersteinmal "verdauen" muss.
Erwartungen erfüllt !März 4, 2008 42 aus 51 fanden die folgende Rezension hilfreich
Fragen über Fragen. Und was hab ich bekommen? Antworten. Auf Fragen, die ich gar nicht gestellt hatte. Ich war in Erwartung auf einen Schlüssel für eine Truhe, in der Lösungen für alle Probleme liegen. Stattdessen gab dieses Buch mir eine Karte. Eine Karte mit einer Wegbeschreibung, dahin wo der Schlüssel für diese traumhafte Truhe liegen könnte. Einfach gesagt. Ich wüsste nicht, warum dieses Buch Punkte abgezogen bekommen sollte. Für mich als Neuling war es, verständlich, lesenswert und vor allem anregend. Alles, glaub ich, wurde kurz oder lang angerissen. Mir wurden neue Gedankenlinien gezeichnet, die ich nicht kannte. Und jetzt, nachdem ich fertig bin mit lesen, kann ich eine dieser Linien weiter verfolgen, wenn ich will. Das war es. So hatte ich das mir gedacht, vor dem lesen. Also volle Punktzahl.