Unwiderstehlich!März 16, 2006 124 aus 130 fanden die folgende Rezension hilfreich
Bei Ankündigung sogenannter "Buchereignisse des Jahres" ist Skepsis immer angebracht.
Trotzdem war ich neugierig auf den Erstling des Schweden Stieg Larsson, der posthum erscheint, da der Autor bereits 2004 verstarb.
Und tatsächlich handelt es sich bei "Verblendung" um einen hochspannenden, perfekt aufgebauten Thriller der Extraklasse.
Dieser Kriminalroman ist eine unwiderstehliche Mischung aus "Cupido" von Jilliane Hoffman und den besseren Wallander-Romanen von Henning Mankell.
Im Mittelpunkt steht der Journalist Mikael Blomqvist, dessen ansonsten tadelloser Ruf nach Enthüllungen über die Geschäftspraktiken eines Großindustriellen angeschlagen ist. Da kommt ihm das Angebot eines alten Patriarchen, der mit Mühe die Reste seines Konzerns zusammenhält, gerade recht. Für den alten Mann soll Blomqvist ein Rätsel der Familiengeschichte der Vangers lösen. Mehr als dreißig Jahre zuvor verschwand bei einem Familienfest die damals dreizehnjährige Nichte. Noch immer erhält Hendrik Vanger zu seinem Geburtstag von ihr ein Geschenk, dabei sprechen alle Indizien dafür, dass sie an jenem Tag einem Verbrechen zum Opfer fiel. Mikael Blomqvists Ermittlungen bekommen eine ganz neue Richtung, als er die Hilfe einer jungen Privatdetektivin annimmt und mit ihr in einer Familiengeschichte herumwühlt, die mehr als nur die eine sprichwörtliche Leiche im Keller zu bieten hat...
Über 750 Seiten führt einen der Autor immer wieder auf falsche Fährten, in Untiefen und Abgründe. Dieses Buch ist zugleich ein psychologisches Meisterstückchen als auch ein sorgfältig recherchierter Wirtschaftskrimi. Sehr lange hat mich kein Kriminalroman mehr so begeistert, gleichzeitig so in Atem gehalten wie eben dieses Buch von Stieg Larsson, in dessen Nachlass noch zwei weitere Kriminalromane auf die Veröffentlichung warten.
Unverbraucht frisch, ungeheuer spannend und doch mit allen klassischen Attributen eines guten Kriminalromans versehen ist "Verblendung" absolut empfehlenswert.
Absolut spannend und hochinteressantJuli 23, 2008 34 aus 35 fanden die folgende Rezension hilfreich
Dieses Buch hat absoluten Suchtfaktor! Ich habe es innerhalb von 3 Tagen gelesen und konnte es nicht aus der Hand legen. Stieg Larsson versteht es, mehrere Handlungsstränge spannend miteinander zu verbinden. An seinem 82.Geburtstag erhält Henrik Vanger wie jedes Jahr per Post eine gepresste Blüte zugeschickt und vermutet hinter dem Absender den Mörder seiner Nichte Harriet, die vor 37 Jahren spurlos verschwunden ist. Da Ihre Leiche nie gefunden wurde, beauftragt Henrik Vanger den verurteilten Journalisten Mikael Blomkvist mit der Recherche über die Vangersche Familiengeschichte und mit der Aufklärung von Harriets Verschwinden. Mikael kommt der Auftrag fast gelegen, weil er eine Sensationsstory in den Sand gesetzt hatte und nun ziemlich unglaubwürdig bei den Medien dasteht. Je weiter Mikael in der Familiengeschichte nach versteckten Leichen im Keller gräbt, umso unheimlicher wird das ganze. Lisbeth Salander, eine "sozial nicht kompetente" Persönlichkeit, die mir aber von Anfang an recht sympathisch war, hilft Mikael bei seinen Recherchen. Beide stellen fest, dass sie auf die Spuren eines Serienkillers gestossen sind. Die Geschichte entwickelt sich unglaublich spannend weiter und die Auflösung ist hochinteressant. Stieg Larsson`s unheimlich guter Schreibstil trägt viel dazu bei, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Es tut mir unheimlich leid, dass er so früh verstorben ist. Aber zum Glück hab ich noch die Folgebände zum Lesen. Dieses Buch hat sich seine 5 Sterne wirklich verdient!
Kriminalroman mit einigen bemerkenswerten AspektenJuli 20, 2006 66 aus 70 fanden die folgende Rezension hilfreich
"Verblendung" ( Anmerkung: warum heißt das Buch im Deutschen eigentlich so ? - Im Text findet sich jedenfalls keine Erklärung !) ist eine souveräne Verflechtung mehrerer Erzählstränge. Der schwächste ist dabei sicherlich die eigentliche Kriminalhandlung: ein Ermittlerpärchen wird von einem alten Fabrikanten angesetzt, das unaufgeklärte Verschwinden von dessen Lieblingsnichte vor zig Jahren nochmals aufzurollen. Wenig überraschend, dass es in der weitverzweigten, reichen Industriellenfamilie ein paar Leichen im Keller gibt. Wer fleißig die derzeit üblichen Konfektionskrimis à la Gerritsen oder Slaughter liest, ahnt bald, worauf das Ganze hinausläuft. Nicht sonderlich originell also, wenn gleich gut geschrieben. Ungleich interessanter erscheinen mir da andere Aspekte des Romans. Eine wohltuende Abwechslung bieten schon die beiden Ermittler: endlich einmal keine ausgebrannten Kommissare, sondern der Wirtschaftsjournalist Mikael, ein sympathisch-differenzierter Charakter mit hohem moralischem Bewusstsein, und die private Ermittlerin Lisbeth. Diese Lisbeth Salander ist für mich eine der am eindrucksvollsten geschilderten Personen der neueren Kriminalliteratur: eine junge, knochige Frau, übersät mit Tattoos und Piercings, sozial und emotional völlig inkompetent, aber von hoher technischer Intelligenz - eine Hackerin mit photographischem Gedächtnis. Wie sich die beiden Personen näherkommen und zu einer Art Freundschaft/Liebe finden, ist meisterhaft geschildert. Und noch auf der letzten Seite des Romans versagt sich der Autor jeglichen Kitsch und zeigt plausibel, wie diese Liaison ausgehen kann. In einer Art Rahmenhandlung hat Mikael als Reporter eines Wirtschaftmagazins massive Probleme mit einem zwielichtigen Geschäftsmann. Das bietet Stieg Larsson die Gelegenheit, Einblicke in das Wesen des Wirtschaftjournalismus zu geben und die grundsätzliche Frage zu stellen: hat der Wirtschaftsjournalist nicht die Pflicht, die Handlungen von Wirtschaftsmanagern kritisch zu hinterfragen und zu kommentieren (analog zum politischen Kommentator) - und nicht nur wie häufig üblich "Hofberichterstattung" zu betreiben ? Da spürt man das Engagement und dahinter die Meinung des Autors; und wenn das in eine spannende, abwechslungsreiche Story gepackt ist, umso besser. Bekanntlich ist "Verblendung" der erste Teil einer Romantrilogie, nach deren Vollendung Larsson einem Herzinfarkt erlegen ist. Wenn die anderen Teile der Trilogie ähnlich groß konstruierte und interessante Geschichten und Themen bieten, dann hat Stieg Larsson mit seiner Hinterlassenschaft den Kriminalautor(inn)en des 21.Jahrhunderts die Latte ganz schön hoch gelegt.
Unwiderstehlich!Mai 10, 2007 30 aus 32 fanden die folgende Rezension hilfreich
Bei Ankündigung sogenannter "Buchereignisse des Jahres" ist Skepsis immer angebracht. Trotzdem war ich neugierig auf den Erstling des Schweden Stieg Larsson, der posthum erscheint, da der Autor bereits 2004 verstarb.
Und tatsächlich handelt es sich bei "Verblendung" um einen hochspannenden, perfekt aufgebauten Thriller der Extraklasse.
Dieser Kriminalroman ist eine unwiderstehliche Mischung aus "Cupido" von Jilliane Hoffman und den besseren Wallander-Romanen von Henning Mankell.
Im Mittelpunkt steht der Journalist Mikael Blomqvist, dessen ansonsten tadelloser Ruf nach Enthüllungen über die Geschäftspraktiken eines Großindustriellen angeschlagen ist. Da kommt ihm das Angebot eines alten Patriarchen, der mit Mühe die Reste seines Konzerns zusammenhält, gerade recht. Für den alten Mann soll Blomqvist ein Rätsel der Familiengeschichte der Vangers lösen. Mehr als dreißig Jahre zuvor verschwand bei einem Familienfest die damals dreizehnjährige Nichte. Noch immer erhält Hendrik Vanger zu seinem Geburtstag von ihr ein Geschenk, dabei sprechen alle Indizien dafür, dass sie an jenem Tag einem Verbrechen zum Opfer fiel. Mikael Blomqvists Ermittlungen bekommen eine ganz neue Richtung, als er die Hilfe einer jungen Privatdetektivin annimmt und mit ihr in einer Familiengeschichte herumwühlt, die mehr als nur die eine sprichwörtliche Leiche im Keller zu bieten hat...
Über 750 Seiten führt einen der Autor immer wieder auf falsche Fährten, in Untiefen und Abgründe. Dieses Buch ist zugleich ein psychologisches Meisterstückchen als auch ein sorgfältig recherchierter Wirtschaftskrimi. Sehr lange hat mich kein Kriminalroman mehr so begeistert, gleichzeitig so in Atem gehalten wie eben dieses Buch von Stieg Larsson, in dessen Nachlass noch zwei weitere Kriminalromane auf die Veröffentlichung warten.
Unverbraucht frisch, ungeheuer spannend und doch mit allen klassischen Attributen eines guten Kriminalromans versehen ist "Verblendung" absolut empfehlenswert.
Diese Rezension bezieht sich auf die Hardcover-Ausgabe, die im Frühjahr 2005 erschien. Inzwischen ist der zweite Kriminalroman der Trilogie ("Verdammnis") um Mikael Blomqvist und Lisbeth Salander erschienen, den ich ebenfalls mit Nachdruck empfehlen möchte!
in Memory of Stieg Larsson ... die Lesewelt hat einen Grossen der Erzähltalente verloren -August 18, 2008 25 aus 27 fanden die folgende Rezension hilfreich
Dieses Buch finde ich einfach toll! Es beschäftigt einen auch noch lange danach, wenn man es aus der Hand gelegt hat. Das Faszinierende an dem Buch waren für mich zuerst die Charaktere, die man von Seite zu Seite mehr mag, während man gleichzeitig gebannt die Handlung verfolgt. Die Handlung ist derart fesselnd, flüssig und authentisch erzählt, dass man dem Gefühl, alles so schnell wie möglich zu erfahren, nicht widerstehen kann. Es faszinierte mich, wie der Autor ohne Wenn und Aber die Handlung und die Charaktere ohne viele Worte zu verlieren in Szene gesetzt hat. Ich hatte von der ersten Seite an das Gefühl mitten drin zu sein, ohne mich zuerst durch die ersten 100 Seiten" durchkämpfen zu müssen. Larsson}s Schreibstill ist gigantisch, seine Charaktere faszinierend geschaffen!
Zur Story: Mikael Blomkvist, ein Journalist, dem sein Image des unbestechlichen Wächters über die Moral der Geschäftswelt voraus eilt, ist Chefredakteur und Miteigner des monatlich erscheinenden Magazins Millennium", das im allgemeinen als gesellschaftskritisch durchgeht. Mikael veröffentlicht eine Story, an die er glaubt, aber wegen einer Verkettung ungünstiger Umstände beeinflusst sie sein Leben in höchsten Masse negativ. Er fühlt sich ausgebrannt und ist kurz davor, an seine Belastungsgrenze zu stossen, als er wegen der Story um die Wennerström-Affäre zu einer Geldstrafe und zu Gefängnis verurteilt wird. Aber er weiss, dass er irgendwie hinters Licht geführt worden ist und hinter der Story etwas ganz anderes steckt, als das Urteil ahnen lässt. Er war stets ein sehr umsichtiger Reporter, der seine Enthüllungsstories immer aufs Beste dokumentiert hat. Nun nach dem Urteil hat er seine Glaubwürdigkeit verloren ... Trotzdem bekommt er einen seltsamen Auftrag vom Grossindustriellen Henrik Vanger, den Ex-Geschäftsführer des Vangers-Konzerns. Mikael soll geheim ermitteln und das Geheimnis um seine verschwundene Nichte enthüllen. Offiziell als Vorwand für Henrik}s Familie arbeitet und schreibt Mikael an der Familienchronik. Henrik macht Mikael ein super Angebot auf gute Bezahlung und dazu das Versprechen, ihm am Ende den Wennerström-Konzern ans Messer zu liefern. Da Millennium in Schwierigkeiten steckt, nimmt Mikael den Auftrag an. Bei seiner Recherche braucht er noch eine zusätzliche Kraft. Und da kommt Lisbeth Salander ins Spiel ... Lisbeth hat ab dem Zeitpunkt, als der Autor von ihr erzählte, mein Interesse und Sympathie für sie geweckt. Sie ist zuerst zwar etwas seltsam, aber auf eine unbegreifliche Art und Weise anziehend und von Anfang an eine feste Charakterfigur, die man selten findet, aber sofort ins Herz schliesst. Sie ist ihrem Chef von der Firma Milton-Security zufolge zweifelsohne die beste Ermittlerin. Lisbeth besitzt Phantasie und legt unerwartete Ergebnisse vor, die ihre Fähigkeit, Informationen ans Licht zu holen, bisweilen magisch erscheinen lassen. Sie ist aufs Beste vertraut mit allen möglichen bürokratischen Archiven und kann zwielichtige Existenzen ausfindig machen. Vor allem besitzt Lisbeth die Fähigkeit, sich in die Person hineinzuversetzen, die sie gerade untersucht. Wenn da irgendetwas faul ist, das an Tageslicht geholt werden muss, holt sie es treffsicher heraus ... Lisbeth hat nur einen bemerkenswerten Fehler: den Mangel Emotionen zu zeigen. Die Berichte, die sie nach ihrer Arbeit abliefert, lösen nicht selten ein Chaos aus, das Miltons Image gefährden könnte ... meint ihr Chef. Und ich meine: Lisbeth ist eine Heldin ohne Vergleich, die Courage hat. Auf Lisbeth ist Verlass ... Denn Wirklichkeit und Wahrheit sind oftmals verschieden Dinge, und Schein und Sein liegt manchmal näher zusammen, als uns lieb ist ... Lisbeth und Mikael enthüllen das Geheimnis, das uns das Fürchten lehrt!