Kundenrezensionen: den längst vergessenen wilden Westen noch einmal schnubbernMärz 3, 2010 Roswitha Und Christian Döring 17 aus 19 fanden die folgende Rezension hilfreich
Ich schlage das Buch auf und sehe in das Gesicht einer jungen Frau. Wacher, neugieriger Blick, kurzes Haar, unter dem Bild steht Arizona 1934.
Die Autorin die bereits bewiesen kann, dass sie sehr gut schreiben kann, beschreibt hier ihre Großmutter. Die Lebensgeschichte einer starken Frau am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts im wilden Westen.
Die Großmutter scheint nicht nur neugierig und eigensinnig, sondern auch mutig gewesen zu sein. Schnaps hat sie geschmuggelt, Poker gespielt, flugzeugpilotin war sie und vieles andere mehr.
Die Autorin stellt zwar ihre Großmutter in den Mittelpunkt dieses Buches, es ist aber zugleich eine sehr interessante Millieustudie. Kenntnissreich und witzig präsentiert liest sich dies Buch sehr schnell und wenn man es durchgelesen hat, meint man dabei gewesen zu sein.
Ein herrliches Leseerlebnis!
"Wenn Gott ein Fester schließt, öffnet er anderswo eine Tür..."Juni 7, 2010 Regina Berger(Rottach-Egern) 2 aus 2 fanden die folgende Rezension hilfreich
Jeanette Walls hat in ihrem Roman "Ein ungezähmtes Leben" die Biographie einer starken Frau in Romanform gegossen. Als würde man der eigenen Großmutter lauschen, ist das Buch des eigensinnigen Frauenzimmers im "Wilden Westen" Anfang des 20. Jahrhunderts niedergeschrieben.
Die wahre Geschichte vermischt mit eine Prise Fiktion zollt einer pragmatischen Heldin Tribut, die kraftvoll, abenteuerlustig und ebenso furchtlos ist. Lily Casey ist alles andere als eine feine Lady. Sie reitet wilde Pferde zu, spielt Poker, schmuggelt Alkohol in Zeiten der Prohibition und arbeitet hart auf ihrer Ranch in Arizona. Innovativ für ihre Zeit, eigenwillig, burschikos und dennoch voller Gefühl erscheint Lily dem Leser. Ihr unverwechselbarer Charme, ihre immerwährende Zuversicht sowie ihre lebendige Art kommen durch die Ich-Form der Erzählung ideal zur Geltung, so dass die starke Persönlichkeit plastisch und greifbar wirkt. Die Geschichte steckt voller Lebenslust und führt ferner in die Vergangenheit ohne dabei verklärt zurückzublicken.
"Ein ungezähmtes Leben" besticht durch Zuversicht, Vorwärtsdrang und Lebendigkeit, ist spritzig geschrieben und läßt teilhaben an dem leidenschaftlich erzählten Leben einer außergewöhnlichen Frau vor der Kulisse des amerikanischen Westens.
Eine Würdigung, an das aufregende Leben der eigenen Grossmutter...März 12, 2010 A. Zanker(CH) 15 aus 18 fanden die folgende Rezension hilfreich
Also erzählen kann sie, dass muss man schon sagen. Eigentlich, lesen wir eine Biographie in Romanform, aus der Perspektive der Ich-Erzählerin, namens Lily Casey. Walls wollte ursprünglich eigentlich ein Buch über die eigene Mutter (Rose Mary Smith Walls) schreiben, doch ihre Mutter empfand, das Leben ihrer Mutter viel aufregender und interessanter. Eine lesenswerte Provinz-Geschichte aus dem frühen amerikanischen 20.Jahrhundert, das in Arizona spielt und der mündlichen Überlieferung ihre Geschichte zu verdanken ist. Das Ganze wirkt dermassen authentisch, dass man wirklich das Gefühl hat, dass es von Lily erzählt wird, obwohl dieses Buch ihre Enkelin, Jeannette Walls geschrieben hat.
Lily erzählt uns eigentlich ihr ganzes Leben, angefangen, ihrem Aufwachsen bei Ihren Eltern, ihrer Rückkehr aus einer Schule die von Nonnen betrieben wird, wo der Vater das Schulgeld nicht mehr bezahlen kann, dem Aufwachsen in der damaligen Provinz, wo es noch keine Toiletten in den Häusern gab, oder fliessend Wasser. Ein Mädchen, das mit Pferden aufwächst, reiten lernt, und sich immer mehr im Leben behaupten muss. Sie macht ihre Erfahrungen mit Männern und wird auch einmal enttäuscht. Ihr erster Mann ist mit einer Anderen verheiratet, das sie anfangs nicht bemerkt.
Sie lernt ihren zweiten Mann Jim kennen, mit dem sie so manche Existenz aufbaut aber auch wieder verliert. Verschiedene Plätze, Orte wo gelebt wird, Existenzen die erschaffen werden und wieder zerbrechen, zwei Kinder die geboren werden, Lily Casey schlägt sich als Lehrerin durch, ihr Mann Jim geht von versch. Tätigkeiten nach, über einer Tankstelle über eine Ranch, gibt es so ziemlich alles, wo sich die Familie auf ihre ganz eigene Art und Weise in der damaligen Zeit durchschlägt. Lily versteht was von Pferden, kann Pokern, lernt zu fliegen, und behauptet sich im Leben.
Ein Roman um's Überleben einer starken Frau, die ihren Lebenswillen, ihre Selbstbehauptung, auf aussergewöhnliche Weise vertreten hat. Ein sehr nah gehaltenes Porträt, wo das ländliche Leben im damaligen Arizona, einer grossen Ranch geschildert wird, die wie im Zentrum der Geschichte geschildert wird und für die ganze Familie aber vor allem für ihre Tochter Rosemary zu einer Art Heimat wird. Lily ist Mutter, eine Ehefrau, eine Reiterin, eine Pokerin, verkauft schwarz gebrannten Schnaps, eine Fliegerin, eine Lehrerin, und vor allem eine Frau die sich nicht unterkriegen lässt und ihren Kindern etwas mitgeben will. Eine sehr schön erzählte Geschichte über ein amerikanisches Einzelschicksal, während in Europa Hitler an die Macht kommt, der Krieg ausbricht, über Hiroshima die Atombombe nieder geht, befinden wir uns hier gleichzeit in einer anderen Welt, mit ihren eigenen Gesetzmässigkeiten. Schön zu lesen, sprachlich manchmal zum Schmunzeln oder Lachen, eher einfach gehalten. Wer gerne einen Roman lesen will über eine Frau, die auf dem Land aufwächst, und sich durch das damalige Amerika schlägt, könnte hier durchaus eine kleine Kostbarkeit finden..
Walls selbst, schreibt am Ende der Geschichte:
"Mir ging es in vorliegendem Buch nicht um diese Art von historischer Wahrheit. Für mich steht es vielmehr in der Tradition der mündlichen Überlieferung, es ist eine Nacherzählung von Geschichten, die über Jahre hinweg in meiner Familie weitergegeben wurden, eine Nacherzählung mit den traditionellen Freiheiten der Geschichtenerzähler. Ich habe das Buch in der Ich-Form geschrieben, weil ich Lily's unverwechselbare Stimme wiedergeben wollte, an die ich mich deutlich erinnere. Lily Casey war eine überaus reale Frau, und ich kann nicht für mich beanspruchen, dass ich sie oder die Ereignisse in ihrem Leben erfunden habe. Aber da ich die Worte nicht von Lily selbst habe und auf meine eigene Imagination zurückgreifen musste..., ist es nur ehrlich, das Buch als Roman zu bezeichnen."
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