Was hab ich mich gefreut..Juni 16, 2010 Waldleserin(Freiburg) 5 aus 7 fanden die folgende Rezension hilfreich
Was hab ich mich gefreut auf diesen Titel. Das erste Buch, Der nasse Fisch" von Volker Kutscher hat mir schon ausnehmend gut gefallen. Das erste Buch ist keine Pflicht vor dem zweiten, aber zu empfehlen.
Dementsprechend hohe Erwartungen hatte ich an das zweite Buch Der stumme Tod".
Schauplatz ist wieder Berlin in den 30er Jahren. Eine Schauspielerin wird bei einem Dreh von einem Scheinwerfer erschlagen. Die Suche nach dem Mörder gestaltet sich im Umbruch zwischen Stumm- und Tonfilm mehr als schwierig, vor allem als zwei weitere Schauspielerinnern ermordet aufgefunden werden. Durch eine authentische Sprache und einer breiten Handlung, die nicht in Schwarz und Weiß unterteilt, fühlt man sich tatsächlich in die 30er Jahre versetzt.
Hauptsächlich aus der Sicht des Kommissars Rath geschrieben (unterbrochen von wenigen Kapiteln aus der Mörderperspektive), geht man mit ihm auf Spurensuche. Und das ist ohne Internet, Handy, DNA-Analyse etc. mühselig und schwierig, aber auch richtig packend und vor allem richtig echt".
Kommissar Gereon Rath ist wie im ersten Buch ein sehr menschlicher Protagonist, der auch mal in der moralischen Grauzone unterwegs ist, was ihn noch sympathischer macht, wodurch er aber auch Probleme bekommt.
Die Figuren sind durchweg mit viel Herzblut gezeichnet und jetzt im zweiten Buch freue ich mich über bekannte Figuren, die sich weiter entwickeln, zum Beispiel der kuchenvernichtende Chef, Raths Vater, der Kriminaldirektor a.D., der noch überall seine Finger im Spiel hat und der Unterweltboss Marlow als Mephisto. Und natürlich Charly, Raths große Schwäche.
Die Handlung hat einige Verästelungen, die Spaß machen und Glaubwürdigkeit vermitteln, auch wenn ihre Auflösung wohl zum Teil erst im dritten Band erfolgen wird. Die Spannungskurve ist schön gestaltet, gegen Ende gewinnt die Handlung an Tempo und man mag das Buch nicht mehr weglegen. Insgesamt nur zu empfehlen. Ich warte auf den dritten Band, Herr Kutscher!
Das glamuröse Berlin der dreißiger Jahre und ein Serienkiller....Juni 29, 2010 C.Borries 1 aus 2 fanden die folgende Rezension hilfreich
Die berühmte Schauspielerin Betty Winter ist tot! Erschlagen von einem Scheinwerfer bei Dreharbeiten zu einem Tonfilm, der die neuesten Möglichkeiten, Filme zu produzieren, eröffnet!
Alles sieht nach einem grauenhaften Unfall aus. Der Kommissar Gereon Rath wird mit der Untersuchung der Unglücksursache betraut, und kommt schnell dahinter, dass sich möglicherweise ein Mord ereignet hat.
Er tappt im Dunkeln und versucht zielgerichtet, hinter das Geheimnis des Todes von Betty zu kommen, als ein zweiter Mord an einer Schauspielerin gemeldet wird. Grausam und symbolträchtig, es geht ja um die ersten Tonfilme, sind letzterer vor ihrem Tod auch noch die Stimmbänder entfernt worden! Man ahnt, dass die Stummfilm- und Tonfilmproduzenten und alle ihre Mitarbeiter sich harte Konkurrenzkämpfe liefern.
Bei den Untersuchungen haben es die Angehörigen der Mordkommission mit zwei rivalisierenden Filmunternehmern zu tun. Rath muss sich mit Kollegen rumschlagen, wird von seinem Vater zu Hilfe für den Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer gebeten, der Opfer einer Erpressung ist, und sieht seine ehemalige Geliebte Charly wieder, während ihm die momentane Gefährtin Kathi auf den Geist geht, --es geht rund in diesem Krimi!
Das Berlin der dreißiger Jahre mit Bars, Clubs und Vergnügungsvierteln, mit den Nazis, Kommunisten und vielen amourösen Abenteuern zwischen den Protagonisten ist aufregend. Wechselnde Verdächtigungen gegen diverse Mitspieler, die ins Leere führen, machen das Buch zu einer atmosphärisch gelungenen Bühne. Konkurrierende Krimibeamte, dazwischen Schauspieler, schöne Frauen und herrische und intrigante Filmchefs bieten eine Vorstellung vom damaligen Zeitgeist. Es ist wird alles aufgeboten, um von einem Spannungsbogen zum nächsten zu spurten. Zwischen allem Ungemach geistert offensichtlich ein Irrer herum, der die Fäden zieht,--aber was es mit diesem auf sich hat, das erfahren wir erst ganz zuletzt.
In einem furiösen Aufmarsch zieht Volker Kutscher alle Register, aus denen spannende Psychothriller gemacht sind!
Er versteht es, seine Krimigemeinde auf höchstem Spannungsniveau zu unterhalten.
Am Puls der Zeit...Juni 26, 2010 zeilensprung 3 aus 4 fanden die folgende Rezension hilfreich
Berlin im März 1930:
Leuchtreklamen am Potsdamer Platz, durchtanzte Nächte und Straßenschlachten zwischen Kommunisten und Nazis. Draußen in Babelsberg werden die ersten Tonfilme gedreht und noch weiß niemand, ob dieser Technik wirklich die Zukunft gehört. Es geht um viel Geld und um Ruhm, um kometenhaften Aufstieg und noch viel schnelleren Fall.
Während der Dreharbeiten wird die vielbeschäftigte Schauspielerin Betty Winter von einem Scheinwerfer erschlagen und Gereon Rath beginnt zu ermitteln.
Es dauert nicht lange, bis er sich mit seinen eigenwilligen Ermittlungsmethoden den Unmut seiner Vorgesetzten zugezogen hat. Doch der Kölner Kommissar im freiwilligen Berliner Exil lässt sich nicht entmutigen. Denn bald suchen er und seine Kollegen nach einer zweiten Schauspielerin, die möglicherweise ebenfalls Opfer eines Verbrechens geworden ist...
Volker Kutschers Kriminalroman "Der stumme Tod" ist das Mittelstück einer Trilogie, die im Berlin der ausgehenden Weimarer Republik spielt. Gereon Rath, ausgestattet mit viel Gespür und rascher Auffassungsgabe sowie dem Hang zur Querköpfigkeit, ermittelt in unruhigen politischen Großstadtgewässern und in einem Millieu, das schon in dieser Zeit von einer gnadenlosen "Hire and Fire"-Mentalität geprägt war.
Ihm gelingt es sehr gut, die Stimmung und Atmosphäre der Metropole einzufangen und seine Schilderungen treffen Zeit- und Lokalkolorit perfekt. Am Puls der Zeit gewissermaßen ist auch Gereon Rath, der sich während der Ermittlungen eigenwillig und intuitiv verhält.
Trotz einiger Längen in der ersten Hälfte des Buches kann ich "Der stumme Tod" allen Freunden literarischer Kriminalromane sehr ans Herz legen.
Authentisch und schlüssig zugleich führt Kutscher den Leser durch die Handlung und an einige nicht weniger spannende Nebenschauplätze, in denen auch der Erfinder des kölschen Klüngels, der damalige Oberbürgermeister Kölns Konrad Adenauer, einen grandiosen Auftritt hat.
Das ist beeindruckend und absolut lesenswert!
Anachronismen und anderes LeidJuni 1, 2010 Karl Schlummermann(Dresden) 6 aus 10 fanden die folgende Rezension hilfreich
Gereon Rath denkt in achtziger Jahre Sprache. Das tun offenbar auch seine Freunde. Seine Ex-und-dann-doch-wieder-Freundin Charly zum Beispiel findet, dass er "scheiße war". Auweia! Gereon Rath stellt außerdem in den Zwanzigern die berühmte 60er Frage "Your place or mine?" Er und offenbar alle Frauen, die er kennt, sind sexuell enorm aktiv, der Autor hat schließlich den "Fabian" gelesen und kennt sich aus.
Davon abgesehen: die Dialoge sind hölzern, bestenfalls bemüht. Die achso ums Zeitcolorit gekrampfte Schilderung Berlins (mal mit Dialekt, mal ohne, wie et ebent passt, wa?) baut dann doch nur auf einem ziemlich fernsehserien-anrüchig-entlehnten Mordmotiv auf: natürlich ein Wahnsinniger mit enorm viel Geld und einer "Vision", hat man denn was anderes erwartet? Das ist schließlich der normale Verbrecher, mit dem dieser Klettenberger Schimmi sich auseinandersetzt, wenn er nicht grade voll ödipalen Hasses dem "jooten" Adenauer hilft. Da fällt mir auf: Ein Bayer, der fehlt noch.
Dann der Charakter des Helden, einer jener Entwürfe, bei denen sinnlos postpubertäre Weltverdrossenheit und Aggression verzweifelt als Tiefgründigkeit (Der Hund ist übrigens der letzte Beweis! Ein einsamer Mann mit einem aus Mitleid angenommenen Hund, der muss ja so was von tiefgründig sein.) ausgegeben wird.
Die Frauen sind sämtlich Staffage, Hauptsache "schön", die übrigen Herren entweder Strichmännchen (lustig und markig)oder gleich Karikaturen(preußisch und dümmlich), wer will sich denn die Arbeit machen, Personen zu entwerfen, neben denen dieser Kommissar ohne Eigenschaften unangenehm in seiner Eindimensionalität auffallen könnte?
Mannmannmann, ein Bestseller? Warum bloß? Varus, Varus...
Es war einmal eine ganz gute Idee, was dann draus wurde ist bedauerlich.
... wird nicht besserJuni 12, 2010 ingason 2 aus 4 fanden die folgende Rezension hilfreich
Kurz gesagt, der "Nasse Fisch" war besser. Herr Kutscher führt unnötige Nebenfiguren und Nebenschauplätze (Adenauer)ein. Diese sollen wahrscheinlich den einsamen missverstandenen Wolf untersteichen, ziehen aber das Buch nur in die Länge. Wie der Fakor, dass man schon weit vor dem Ende den Mörder erfährt. Kurz gesagt, ich bin vom zweiten Fall enttäuscht. Eine lange Bahnfahrt kann dieser Roman aber doch verkürzen.
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