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Feuchtgebiete

Feuchtgebiete

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Autor: Charlotte Roche
Urheber: Charlotte Roche
Verleger: Dumont Buchverlag

Kaufen Gebraucht: EUR 9,99

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Neu (92) Gebraucht (17) Sammlerstück (2) ab EUR 9,99

Bewertung: 2.5 von 5 Sternen 1094 Rezensionen

Medium: Broschiert
Ausgabe: 22., Aufl.
Seiten: 220
Versandgewicht: 0.8
Maße (innen): 8.3 x 5.4 x 0.8

ISBN: 3832180575
EAN: 9783832180577
ASIN: 3832180575

Publikation: Oktober 17, 2008
Verfügbarkeit: Versandfertig in 1 - 2 Werktagen

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Kundenrezensionen:   Gelesen 395 mehr Rezensionen...

5 von 5 Sternen Spiegel der Gesellschaft   September 1, 2008
 141 aus 185 fanden die folgende Rezension hilfreich

Was für mich besonders bezeichnend ist, ist dass diejenigen, die die subtilere Botschaft des Buchs verstanden haben, dazu neigen, eine hohe Anzahl an Sterne zu vergeben, während die 1-Sterne-Rezensionen es (völlig falsch) als Hymne und Lobpreis an den Ekel, abartige Perversionen und hemmungsloses Übergehen intimer Grenzen werten.
(Sorry für die Arroganz, Leute...!)
Tatsächlich und letztendlich geht es in diesem Buch auf ganz und gar feinsinnige Art und Weise um eine junge Frau, deren seelischer Schmerz für sie so überwältigend geworden ist, dass sie ihn durch allerschlimmsten tatsächlichen Schmerz konkretisieren und für sich selber greifbar machen muss, bzw. darüber hinaus versucht, ihn anderen mitzuteilen.
Niemand erkennt, dass sie ihren Schmerz und ihr schonungslos dargelegtes Innerstes (sprichwörtlich und tatsächlich - Innerstes = diverse Körperöffnungen...) in die Welt hinausschreit (letzter Satz des Buches: sie schreit!), um jeden Preis gehört und wahrgenommen werden will mit dieser unbegreiflichen Geschichte, die sie in ihrer Familie erlebt hat. Sogar die Ärzte "hören" sie nicht, nehmen ihr eigentliches Problem nicht wahr. Ihre eigenen Eltern besuchen sie nicht einmal im Krankenhaus.
Gigantisch und faszinierend sämtliche Frauenzeitschriften, Rezensionen, Stimmen von Lesern, die es ebenfalls nicht wahrnehmen:
Dass wir uns daran gewöhnt haben, Menschen dabei zuzusehen, wie sie vor die Hunde gehen (Amy Winehouse, Britney Spears) und dann auch noch sagen: Mensch, sind die aber fertig! - anstatt: Was steckt eigentlich dahinter, dass ein Mensch seinen Verfall öffentlich macht? Und warum, um Gottes willen, hält in unserer Zeit die Kamera drauf, wenn ein Mensch zusammengekrümmt auf der Straße liegt?
Und weiter: Keiner findet es mehr erschreckend, dass ein junges Mädchen im Oberstufenalter über Analsex und Kontakt mit Prostituierten plaudert als sei es das gewöhnlichste der Welt.
Warum? Weil solche Dinge gewöhnlich geworden sind. Weil keiner mehr öffentlich sagt, "hey, Sexualpraktiken sind etwas intimes und persönliches, das zerstört wird, wenn man laut darüber herumschreit." Musikvideos sind softpornographische Kurzfilme geworden, in denen die Musik nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, und wir haben uns alle daran gewöhnt.
Es fällt vielleicht noch auf, wenn sich eine Helen entsprechend gebärdet - dann heißt es: "Mensch, so eine Schlampe, Mensch, ist die eklig, usw."
Warum fällt uns nicht mehr auf, dass ein so junges Mädchen in erster Linie eine Produkt ihrer Erziehung und ein Produkt der Gesellschaft um sie herum ist?
Charlotte Roche hat im übertragenden Sinn eins dieser Bilder geschaffen, auf denen man die versteckte Maus finden muss. Sie hat nur nicht verraten, dass eine versteckt ist, und es ist ein Spiegel unserer Gesellschaft und ihrer Medienlandschaft, die Maus nicht zu sehen.



5 von 5 Sternen Ein junges, fast kindliches, sehr frisches und sehr unverblümtes Buch   November 10, 2008
 20 aus 28 fanden die folgende Rezension hilfreich

Heute (am 11. November 2008) ist dieses Buch von 1079 amazon-Rezensionen beurteilt worden. 338 haben 5 oder 4 Sterne vergeben, 658 1 oder 2 Sterne. Der Rest von 83 hat sich zu einer mittleren Bewertung von 3 Sternen entschlossen.

Das Votum der amazon-Leserschaft ist also recht eindeutig: Fast zwei Drittel finden es schlecht, nämlich vorwiegend ekelerregend, widerlich, öde, trivial, schockierend, unerträglich.

Dem steht freilich die recht harte und eindeutige Tatsache entgegen, dass es heute (am 11. November 2008) Platz 6 der amazon-Bestsellerliste einnimmt. Sollten die über 600 Rezensentinnen und Rezensenten, die den Daumen gesenkt haben, von Schenkerinnen und Schenkern zum Lesen gezwungen worden sein? Oder haben sie alle, um mitreden zu können, das Buch Seite um Seite durchlitten, womöglich mit Hilfe von Antiemetika, Antihistaminika und Neuroleptika?

Ich habe das Buch vollständig gelesen, und es hat mir sehr gut gefallen. Gewiss kommen Dinge zur Sprache, die nicht unbedingt als Appetizer geeignet sind.

Proktologie, Proktochirurgie, Gynäkologie und auch Sexualität haben nun mal Aspekte, die schmutzig und nicht immer appetitlich sind. Aber die Art und Weise, wie die Autorin davon berichtet, ist jung, fast kindlich, und vor allem frisch.

Abgesehen von detaillierten Schilderungen - natürlicher! - körperlicher Vorgänge gelingen der Autorin auch Sätze, für die man sie einfach nur umarmen möchte:

"Wenn man sich wirklich was gutes versprechen will: Ich bleibe bei dir, auch wenn ich dich nicht mehr liebe. Das ist ein gutes Versprechen. Das heißt wirklich für immer." (S. 98)

Wer das Buch ekelhaft, schockierend, widerlich oder unerträglich findet, sollte es einfach ganz schnell aus der Hand legen und einem jungen Menschen schenken.

Es bis zum Schluss zu lesen und dabei dauernd "ekelhaft" und "widerlich" zu exklamieren, kommt mir zumindest paradox vor. Es erinnert mich nicht wenig an die entrüstungspornographischen Bücher der 1950er und 1960er Jahre, in denen man Bilder nackter Frauen, seltener auch nackter Paare sehen konnte, Bilder, die mit Über- oder Unterschriften wie "Schamlos!", "Völlig enthemmt!", "Empörend!", "Ekelerregend!" und "Widerlich!" versehen waren. Die eifrigen Betrachter, wohl vorwiegend Männer, konnten somit tabuisierte Darstellungen betrachten, sich durch sie erregen lassen und sich dabei noch völlig rein und unschuldig fühlen.



5 von 5 Sternen "Das ist ein gutes Buch" ... vorausgesetzt man liest es wirklich   Mai 9, 2008
 52 aus 77 fanden die folgende Rezension hilfreich

Eine Inhaltsangabe spare ich mir an dieser Stelle, wobei das letzte Drittel viele Interpretationsansätze liefert und doch alles offen bleibt. Menschen, denen der eigene Körper fremd ist, werden sich am Roman Feuchtgebiete stoßen, denn der Titel ist Programm. Keiner kann behaupten, er wäre nicht gewarnt worden - insofern muten die Ich-Ekle-Mich-So-Diskussionen mitunter grotesk an. Schade ist nur, dass aufgrund dieses exhibitionistischen Teilaspekts häufig der ganze Roman verunglimpft wird. Die Protagonistin Helen ist 18, ihr autoaggressives und unreifes Verhalten weisen auf eine Traumatisierung und vielleicht auf eine beginnende Persönlichkeitsstörung hin. Sicher eignen sich die beschriebenen Obszönitäten nicht als pornographische Schablone. Voyeure dieser Provenienz werden enttäuscht sein. Tatsächlich ist die Protagonistin Helen selbst schwer verstört und handelt dementsprechend verstörend. Diese Irritation, die sich wie ein roter Faden durch den knapp 220 Seiten langen, inneren Monolog zieht, macht die Qualität des Buches aus. Der Blick der Autorin auf ihre ambivalente Heldin ist liderlos, sie beschreibt das Geschehen wortgewaltig und bis ins abstoßende Detail genau, was den Roman über weite Strecken zu keiner leichten Kost macht. Roche schreibt noch expliziter als Helen Walsh, ist distanzloser als Catherine Millet und kommt völlig ohne den Zynismus eines Michel Houellebecq aus. Feuchtgebiete ist vielleicht nicht für jederman/frau geeignet, aber sicher eine literarische Entdeckung und für aufgeschlossene Menschen jedenfalls lesenswert.




5 von 5 Sternen Feuchtgebiete - eine Nagelprobe   Oktober 16, 2008
 15 aus 23 fanden die folgende Rezension hilfreich

Nach 500 negativen Rezensionen wollte ich wissen was dran ist und habe Feuchtgebiete gelesen: das Buch ist pornografisch, pervers und ekelerregend. Und ungemein provokant. Und es gefällt mir.

Schauen wir mal bei Amazon um die Ecke: da verspeist Hannibal Lecter genüsslich ein menschliches Gehirn, absolut schockierend und widerwärtig. Und wie viele negative Bewertungen hat beispielsweise die deutsche Buchauflage dazu eingeheimst? An Helen gemessene schlappe 25%, die meisten davon nicht einmal wegen des Ekelfaktors.

Wie Hannibal hinterlässt auch Helen eine reichlich unappetitliche Blutspur. Im Gegensatz zu ihm ist es aber ihr eigenes Blut mit dem sie spritzt und versaut und ihre Perversionen lassen die Mitmenschen praktisch unversehrt. Das eigentliche Massaker findet stattdessen im Kopf des Lesers statt, wo es eine verstörende Wirkung hinterlässt. Geschlachtet wird hierbei ein sittlich-moralisches Weltbild, das von überzogener Reinlichkeit als sichtbarem Zeichen biederer Anständigkeit ausgeht: alles Ekel erregende wird verbannt oder verdrängt und schon der gemäßigte Gebrauch der 'Fäkaliensprache' führt zum Brechreiz. Selbst Sex muss sich stromlinienförmig dem Leistungsprinzip unterwerfen, muss optisch was her machen mit durchgestylten Bacardi-Reklame Körpern. Ein bisschen pervers mag dabei sogar chic sein, solange von Lilo Wanders ge-featured und kommerzialisierbar - mit freundlicher Unterstützung der Latexindustrie. Jene unerbittlichen Kritiker von Roches literarischem Debüt: sind das die gleichen, die zuhause beteuern: Liebling, in punkto Sex - also mit mir kannst du WIRKLICH ÜBER ALLES reden?

Helen ist mit der konsequenten Beschreibung ihrer brutal fiesen Neigungen die weibliche Antwort auf Hannibal Lecter - für die meisten Leser offensichtlich noch abstoßender. Über ein ganzes Buch hinweg mag man das aber nur lesen, wenn der abgründigen Seite eine menschliche gegenüber steht. Das gelingt der Autorin vor allem über die Sprache, die umwerfend direkt, rührend, komisch und betont herzig ist - hierfür kassiert Helen reichlich Sympathie. Die beiden letzten der fünf Sternchen bekommt die Autorin allerdings für die scharenweise Anteilnahme ihrer Kritiker (gilt sicherlich nicht für alle, aber die meisten). Der vor kurzem viel diskutierte Film 'Die Welle' hat eigentlich vorgeführt, was nicht geht. Und trotzdem findet sich auch noch der 501-te Kritiker, der auf der kollektiven Woge der Entrüstung unbeirrt weiter reitet, ohne nennenswert Neues beizutragen. Mit einer so gewaltigen Resonanz, bei der rezensionsbeflissene Leser (mich inbegriffen) sich selbst zum Teil eines durchaus mutigen literarischen Experiments machen, hätte ich nicht gerechnet. Respekt!



5 von 5 Sternen Provokant, aber auch sensibel!   März 5, 2008
 64 aus 103 fanden die folgende Rezension hilfreich

Nach dem Lesen einiger Eintragungen auf dieser Seite dachte ich: Dieses Buch lese ich nicht. Ich habe es doch gelesen und bin darüber froh. Als Krankenschwester habe ich viele proktologische Patienten gepflegt (allerdings auch ihre Wunden verbunden, das fehlt mir im Buch) und kann nur sagen: Es gibt wahrlich "angenehmere" Krankheiten. Ich habe gestandene Mannsbilder vor Schmerzen weinen sehen und mitgefühlt, wie demütigend es sein muß, wenn einem jeder auf den Allerwertesten blickt, den man doch sonst so gut "versteckt".

Was Helens "Speisekarte" betrifft, so stehen da auf meiner andere Dinge als die eigenen Körpersäfte. Zugegeben, es ist eklig, das zu lesen, auch für mich, andererseits sollte doch jeder gesunde Mensch zumindest wissen, wie er oder sie riecht - ohne Parfüms, Deos etc. Man muß ja nicht alles in den Mund nehmen!

Die Sprache der Helen ist eine sehr direkte und provozierende - aber so ist es ja auch gedacht, um aufmerksam zu machen. Für mich steht hinter ihrer frechen Sprache eine sehr sensible Person, die sich das wünscht, was jeder sich wünscht: Aufmerksamkeit, Zuneigung und, ja, vielleicht auch etwas weniger Frischetüchlein, parfümierte Was-Weiß-Ich-Was sondern mehr natürliches Verständnis für den eigenen Körper - gerade als Frau. Helen spricht als Person auch für die so "ungeliebte" und doch so sensible Region unseres Körpers, ohne die wir nicht leben könnten und die mehr Aufmerksamkeit braucht als "nur" Hygiene.

Was Kritik an der Autorin betrifft: Nicht jeder Krimi-Autor ist automatisch ein Mörder und es handelt sich hier um einen Roman. Rechchere ist daher hötig und ich empfand Frau Roche in der NDR Talkshow als gepflegt. Was ich im Roman nicht nachvollziehen kann, ist, wie ein Arzt eine 18 Jährige sterilisiert und daß keine Pflegekraft ihr beim Verbinden der Wunden hilft. Aber da sind Krankenhäuser wohl verschieden. Robin aber ist ein Schatz und erfüllt Helen die Wünsche, die vielleicht so mancher Patient (heimlich) hat und auch "diese" Wunde gern sähe - warum auch nicht, eine Blinddarmnarbe wollen auch die meisten sehen.

Ich habe beim Lesen geschmunzelt, oft aufgelacht, mich zum Teil wiedergefunden und sogar ein paar Tränen geweint. Und wünsche mir mehrere Bücher dieser Art. 5 Sterne.


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