Ein lieblich-süffiger JahrgangMai 15, 2008 10 aus 10 fanden die folgende Rezension hilfreich
Der Film: Der Film stellt keine großen Ansprüche und hat doch das gewisse Etwas, er bedient sich einiger Klischees und verzaubert trotzdem, er bekam nicht immer gute Kritiken und gefällt doch vielen.... Zwei extreme Welten prallen aufeinander, beide für viele Menschen begehrenswert. Es erzählt die Geschichte eines Großstadthais und Finanzgenies, der auszog um Lieben zu lernen. Der Film endet als Fest für die Sinne....
Um den Zauber der Provence zu beschreiben, meint der Autor Peter Mayle, nach dessen Buch der Film gedreht wurde, "dass die Region 300 Sonnentage pro Jahr, eine beeindruckend schöne Landschaft, eine bemerkenswert wenig zerstörte Umwelt und ein außergewöhnliches Licht aufzuweisen hat. Ein solches Licht findet man nicht oft auf der Welt. Und ich liebe das Tempo dort unten. Es zwingt dir einen gewissen Rhythmus auf, der - einmal daran gewöhnt - sehr angenehm ist. Ich fühle mich hier zuhause." Das Gefühl ,hier zuhause zu sein' ist der Kern dieser Geschichte und nimmt den Zuseher mit hinein - man wird gefangen genommen von der Schönheit der Bilder, der Atmosphäre und dem weisen Humor des Films. Ridley Scott produzierte diesen Streifen und führte mit leichter Hand Regie. Er wählte Château la Canorgue wegen des überwältigenden Blicks in westlicher Richtung über das gesamte Luberon und wegen des geheimnisvollen Dämmerungslichts, das das Herrenhaus am späten Nachmittag einhüllt. Die Filmcrew besetzte mehr oder weniger die Weinberge und das Schloss für die neun Monate der Dreharbeiten in Südfrankreich.
Die Darsteller: Russel Crowe präsentiert den selbstbewussten, großspurigen, eigensinnig-überheblichen Max Skinner, der doch etwas mehr unter der Oberfläche zu bieten hat, sehr einprägsam... Albert Finney spielt grandios seinen Onkel Henry, der intensiv zu leben wusste... Marion Cotillard verzaubert als eigenwillig-süße Fanny Chenal... Tom Hollander bringt einem zum Lächeln als kleinwüchsiger, eifriger Anwalt und Freund vom Max... Abbie Cornish entzückt als uneheliche Tochter Onkel Henrys...
Mein Fazit: Wie ein guter Rotwein präsentiert sich dieser Film im warmen verzaubernden Licht der Provence, macht Lust nicht nur nach Frankreich zu reisen, sondern auch das Leben zu umarmen. Gedacht für laue Sommerabende und liebevolle Stunden ist die Geschichte einladend, erwärmend und süffig. Die frischen und humorvollen Noten der Story, hinterlassen ein Lächeln im Gesicht und einen zart-fruchtigen Duft in der Seele. Am Herzens-Gaumen nicht zu schwer und im Abgang warm und lieblich, bewirkt der Wein - äh - der Film gute Laune und blumige Nuancen der Romantik. Er ist erfrischend leicht und sehr zu empfehlen...
Mit leichter Hand gefilmt.März 17, 2007 29 aus 33 fanden die folgende Rezension hilfreich
"Ein gutes Jahr" erinnert eher an einen Lasse Hallström Film. Wirklich ziemlich überraschend, das Ridley Scott der Regisseur ist. Eine positive Überraschung. Der Film hält, was der Klappentext verspricht. Eine wunderschöne Geschichte über Heimat, Moral und Liebe. Ohne Anspruch auf gnadenlosen Tiefgang. Nicht mehr und nicht weniger. Der skrupellose Londoner Broker Max Skinner ist in seinem Job ein Schwein. Für ihn zählt nur der Profit und die Arbeit. Ein Privatleben findet praktisch nicht statt. Als er erfährt, dass sein Onkel Henry verstorben ist und ihm das Weingut in Frankreich vermachte, auf dem er viele Tage seiner Kindheit verbrachte, will Skinner das Gut so schnell wie möglich zu Geld machen. Sein Besuch in der Provence verläuft jedoch anders als gedacht. Die Schatten der Vergangenheit holen ihn ein und er sehnt sich an Momente der Kindheit zurück. Langsam aber sicher erkennt Skinnner, was wirklich im Leben zählt. Aber der Weg dorthin ist mit Stolpersteinen gesäumt. Um Zufriedenheit, Glück und die Liebe seines Lebens zu erobern, muss Max Skinner sich völlig verändern. Scott hat wunderbare Landschaftsaufnahmen mit den Stilelementen der Komödie der 60er und 70er Jahre verwoben. Mit Albert Finney und Russel Crowe stehen ihm zwei Vollblutmimen zur Seite, die aus ihren Rollen alles herausholen. Marion Cottilard, als Skinners Objekt der Begierde, überzeugt ebenfalls voll und ganz. Wer sich für zwei Stunden mitnehmen lassen will in die französische Art zu leben; wer genießen und nichts überstürzen will; wer Lachen und schmunzeln möchte, der ist mit "Ein gutes Jahr" bestens bedient. Dazu begleitet ein wunderbarer Soundtrack, der originell und stilgerecht passt. Ganz ehrlich Mr. Scott, einen Film dieser Machart hätte ich ihnen nicht zugetraut.
Die Bilder sind ein Traum!März 23, 2008 17 aus 20 fanden die folgende Rezension hilfreich
2004 habe ich das Buch zum vorliegenden Film rezensiert, den ich bereits im Dezember 2006 im Kino sah und nun als DVD besitze. Der Film schlägt Mayles Buch um Längen. Ich möchte kurz erklären weshalb das so ist und stelle deshalb den Rezensionstext zum Buch vor die heutige Rezension zum Film. Wer bei sommerlicher Hitze - selbst nach dem Genuss einer wohltemperierten Flasche Rose - nicht schlafen kann, ist gut beraten sich Peter Mayles neuen Besteller " Ein guter Jahrgang" als Lektüre vorzunehmen, um auf diese Weise an dessen Lavendel-Träumen Anteil haben zu können. Max Skinner, ein junger Engländer erbt von seinem Onkel ein Weingut in der Provence. Um die notwendigen juristischen Erbformalitäten zu erledigen, reist Max nach Frankreich. Dort erwarten ihn schöne Frauen, guter Wein, vorzügliche Speisen und eine Menge Turbulenzen... Der Autor bringt dem Leser in diesem Buch in erster Linie südfranzösische Lebensart nahe. Er zeichnet das Bild pittoresker, kleiner Orte und beschreibt farbenfroh, womit sich deren Bewohner dort beschäftigen. Außerdem nutzt Mayle die Gelegenheit den Leser durch ein kurzweiliges Weinseminar bei Laune zu halten. Über Bodenbeschaffenheit, Reduktion, Ernte und Verarbeitung der Trauben im Keller, wie auch über den notwendigen Reifeprozess erfährt man ebenso Interessantes, wie über teilweise abenteuerliche Vermarktungsmethoden und die Preisgestaltung des Rebensaftes. Als Weinkenner übt der Autor Kritik an den so genannten " Garagenweinen " , in welchen er in erster Linie Prestigeobjekte für Neureiche wittert. Auch ist er skeptisch gegenüber der Verbalakrobatik, die selbsternannte Connaisseure bei Degustationen in jüngster Zeit an den Tag legen. Wertet man die Fülle von Klischees und übertrieben blumig ausgefallenen Wortschöpfungen als verzeihlichen Erzähl-Überschwang eines überaus frankophilen Autoren, so kann man im Ergebnis festhalten, einen federleichten, gleichwohl amüsanten Roman gelesen zu haben, der einen - mit sehr viel Raffinesse - dazu verführt, die eigenen Lavendel-Träume so schnell als möglich in die Tat umzusetzen...!
Der Reiz Films besteht besteht in der Visualisierung von ungebremster Lebensfreude. Das lässt sich textlich nur bedingt darstellen. Selbst der frankophile Mayle schafft dies bei allem Erzählüberschwang nur zum Teil und hinterläßt dabei den Eindruck des Überzeichnens, weil man seiner Euphorie nicht völlig glauben mag. Das ist allerdings ein großer Fehler. Er hat ja so Recht!
Die Franzosen und Französinnen im Film sind alle zum Verlieben charmant. Kein Wunder also , dass sich der coole Banker Mac Skinner( Russel Crowe)in eine bildschöne Provencalin( Marion Cotillard) unsterblich verliebt und sein Leben völlig verändert.... Die vielen pittroseken Bilder von der Provence versetzen den Zuschauer in einen Rausch der Sinne. Marc Streitfelds Filmmusik mit Anklängen an die Musik der 30er Jahre tut das Übrige. Im Grunde wird die hübsche Filmhandlung völlig nebensächlich. Man taucht in eine hinreissende Bilderflut ein und lässt sich wegtragen in eine der schönsten Gegenden Europas. Man riecht die Speisen, die im Film aufgetischt werden, nimmt die die Kräuter der Provence und das feine Knoblaucharoma wahr und glaubt einen guten Wein auf der Zunge zu haben : einen Bandol, einen einfachen Cote de Provocene oder etwas Drittes . Man spürt die Sonne und sieht die herrliche Landschaft. Das macht glücklich. Ich versichere es Ihnen!
Ein toller Film!
Sehr empfehlenswert, für Menschen , die die französische Lebensart zu schätzen wissen.
Mein Jahr in der Provence ... ob es dabei bleibt?August 4, 2008 16 aus 19 fanden die folgende Rezension hilfreich
... nun der Zerriss in der Presse war vorherzusehen, handelt es sich doch einfach um eine herzerwärmende, locker fröhliche, amüsant charmante und unterhaltsame Erzählung über die Romantik der Liebe, der Liebe wegen. In Farben und Motiven von Van Gogh und Cézanne stehen da verlassen und einsam die Wunschträume unserer Träume inmitten eines herzergreifenden Ambientes, mehr als reif für kommende Zeiten des Glücks, bestens geeignet für das wohlige Leben in ewiger Liebe und Rente.
Gerahmt von Casanovas, Finanzhyänen, Edlen und Besitzlosen sowie von Idyllen hochglanzpolierter, lebloser Architekturen mit ihren lauten und redundanten Persönlichkeiten und solcher, mit ihren verborgenen Sicht- und Blickwinkel und ihren leisen Geheimnissen und Geschichten, machen die fantastischen Bilder aus Gordes*, einem sich an eine Bergflanke schmiegenden, malerischen Dorf, und seiner Umgebung und eine wunderbar ausgewählte und spielende Besetzung so richtig Lust auf vielerorts bereits vergessene Zeiten der Ruhe, Lust und Freude sowie des stilvollen Genusses guter Getränke und Speisen und überwältigender Natur. Onkel Henry hat uns ein Vermächtnis überlassen, es liegt nun an ihnen und Ihnen, was sie und Sie daraus machen.
... für mich ist dies ein genussvoll farbenprächtiger Film für ein Berauschen der Sinne, eine gute Laune und das Laissez Faire oder Savoir Vivre, voll von Humor, Witz und Charme und wundervoll untermalt mit wärmenden Songs wie von Josephine Baker, Johnny Hallyday, Harry Nilsson, Delaney Bramlett und Noel Coward.
* Gordes ist aufgelistet in "Die schönsten Dörfer Frankreichs" und liegt im Naturschutzgebiet Luberon, eine Gebirgskette von Kalksteinfelsen auf der Nordseite des Durance-Tales, 50 km südöstlich von Avignon, bekannt für Lavendel und seinen guten Wein.
Besetzung * Russell Crowe : Max Skinner * Albert Finney : Onkel Henry * Marion Cotillard : Fanny Chenal * Freddie Highmore : Junger Max * Rafe Spall : Kenny * Archie Panjabi : Gemma * Richard Coyle : Amis * Abbie Cornish : Christie Roberts
Kein Fan von Russell Crowe, aber....Mai 6, 2007 26 aus 33 fanden die folgende Rezension hilfreich
frau kann ja noch angenehm überrascht werden. Die Leichtigkeit des Seins. Genau das will uns dieser Film, der herrlich altmodisch daherkommt vermitteln. Die Dinge, die das Leben lebenswert machen sind frei (na ja, ein bisschen Geld kann auch nicht schaden).
Der Film wird sicher nicht in die Analen der Filmgeschichte eingehen, aber er wird einem in Erinnerung bleiben mit seiner Ode an die Kindheit, unbeschwerte Tage mit goldenem Licht und an die Provence, die ich selten schöner gesehen habe. Ja, ich beneide diesen Brooker, der sein ehrgeiziges nur von Geld und Macht erfülltes Leben in London zurücklässt und ein Mensch wird. Das er dabei noch gleichzeitig Cousine, Freunde und Frau bekommt ist eigentlich nebensächlich, denn die innere Einsicht, was die wahren Werte des Lebens betrifft, kommt ihm langsam auch so. Den Rest seines Lebens an einem Bistrotisch mit dieser Aussicht, diesem Garten und diesem Licht zu verbringen, das wäre auch für mich der perfekte Ausklang.
Sehen Sie sich den Film an und lassen Sie sich verzaubern.