Sherlock Holmes: Gegen Ehe und MystizismusFebruar 1, 2010 Niclas Grabowski(Berlin) 97 aus 129 fanden die folgende Rezension hilfreich
Sehr viktorianisch ist es, sich zwar zu prügeln, aber dann doch während jeder Sekunde der Prügelei zu versuchen, seine Würde als Gentleman zu bewahren. Und deshalb ist es immer eine der schönsten Szenen in Filmen über das ausgehende 19. Jahrhundert, wenn der Held mal wieder in steifer Haltung mit total durchgestrecktem Rücken nach den Regeln des Marquis von Queensberry harte Schläge austeilt. Der Witz in dieser Neuauflage des Klassikers nach Arthur Conan Doyle ist nun, dass auch Holmes hier in den vielen Faustkämpfen nur dann gewinnen kann, wenn er seine Haltung bewahrt. Aber das schafft er nicht durch viktorianische Genickstarre. Sondern durch detaillierte Planung jeder einzelnen Bewegung, die dann im Film als eine Art von Prognose mit großartiger Choreographie in Szene gesetzt wird. Hier und in anderen Aspekten des Films wird deutlich: Dieser Holmes ist seiner Zeit voraus.
Seiner Zeit voraus ist natürlich auch der Bösewicht dieses Films. Einen schwarzen, langen Ledermantel trägt Lord Blackwood, und man muss angesichts dieser Kleidung und des politischen Programms dieses Verschwörers dann doch an die bösen Nazis aus den Indiana-Jones-Filmen denken. Und auch die Story mit ihren mystischen Elementen, dem ganzen Getue um Freimaurer und Riten schwarzer Messen lässt es lange offen, ob sich die magischen Elemente eines Indiana-Jones-Films auch hier finden. Aber Holmes ist ein Kind der Aufklärung, des Rationalismus. Und so geht es hier auch um die Frage, was schließlich gewinnt: Holmes und die Aufklärung oder die Emotionen, die mit einer Welt der Gothic Novells verbunden sind.
Dass Holmes und sein Gegner etwas aus der Zeit zu fallen scheinen, gibt dem Film auch deshalb seinen Reiz, weil ansonsten die Atmosphäre des britischen Empires auf dem Höhepunkt seiner Macht sehr gut getroffen ist. Und auch die Darstellung des schmutzigen Londons, das für seine Armut, seinen Dreck und seine Umweltverschmutzung fast ebenso berühmt war wie für seine Repräsentationsbauten, ist hier in wunderbaren Grautönen sehr gut geglückt. Nicht nur die Computerfachleute haben hier in den Hintergründen ganze Arbeit geleistet, auch die Details von Einrichtung, Kleidung und Studiobauten sind hier fast perfekt gelungen. Oder anders: Das dürfte alles recht teuer gewesen sein. Aber es wirkt. So ist der Film auch optisch ein Erlebnis.
Vielleicht alleiniger Schwachpunkt des Films scheint mir das Casting einiger Nebenrollen zu sein. So hätte ich die Darsteller des Innenminister (Lord Coward) und des amerikanischen Botschafters glatt ausgetauscht. Denn der eine Darsteller wirkt nicht gerade sehr amerikanisch, was aber auch ein Scheitern der Synchronisation sein kann, der andere wirkt für einen Innenminister des viktorianischen Zeitalters einfach zu jung und wohl auch etwas zu linkisch. Und auch die Besetzung der Irene Adler mit der zwar sehr hübschen, aber irgendwie auch sehr mädchenhaften Rachel McAdams hinterließ bei mir keine Begeisterung. Wirklich gefährliche Frauen sehen anders aus. Dagegen kann ich die Besetzung der Hauptdarsteller Holmes und Watson nur loben, auch weil sie mutig genug war, den größeren Star diesmal nicht zum Holmes zu machen.
Zum Schluss noch ein letztes Wort zum 19. Jahrhundert: In dieses passt natürlich keinesfalls das in vielen Rezensionen der professionellen Kollegen angesprochene homosexuelle Zusammenleben von Watson und Holmes. An mir persönlich ging der schwule Subtext dieses Films offenbar völlig vorbei. Mein Eindruck vom Kampf dieses Holmes um seinen Freund Watson ist eher ein anderer. Um ein freies Leben kämpft dieser Holmes, ein Leben unabhängig von sozialen Verpflichtungen, die eine Ehe oder auch nur die Beziehung zu einer Frau mit sich bringt. Denn welche Frau lässt schon ein so wunderbar unaufgeräumtes Spielzimmer zu, wenn sie erst einmal einen Mann den ihren nennt? Welcher Mann darf dann noch uneingeschränkt trinken, sich schlagen, seinen Hobbys und seinem Spieltrieb nachgehen?
Aber selbst Sherlock Holmes kann ja nicht immer gewinnen.
Besser, als ich erwartet habe!Juni 17, 2010 Frank Axler 4 aus 5 fanden die folgende Rezension hilfreich
Ich habe den Film Sherlock Holmes gekauft, um mir einen schönen Abend zu machen.
Und ich muss sagen, dass das auch super hingehauen hat, da der film Sherlock Holmes einfach nur Klasse ist=D
man bekommt so richtig stimmung, auch wenn man ihn zum 2 mal guckt!
Am anfang habe ich mir so einen historienfilm mit etwas action erwartet, ich habe ihn mir eigentlich nur auf Empfehlung eines freundes gekauft, doch dann habe ich ein knalligen actionspass mit viel humor und Robert Downey Jr., welcher in seiner rollle glänze.
alsoo, ich empfehle diesen film für alle weiter, die humor, und action gerne kombiniert haben:D
Unklassischer Holmes, aber tolle Bilder & schlüssige ZaubertricksMai 1, 2010 T. Herrmann(Saarland) 57 aus 78 fanden die folgende Rezension hilfreich
Ich verstehe die schlechten Bewertungen nicht, denn ich bin zwar auch eher Fan alter klassischer Holmes-Verfilmungen nach Doyle-Buchvorlage (Serie mit Jeremy Brett,- ein Genuss!) & war skeptisch, was die Besetzung betraf. Aber auch hier zieht sich durch 128 Min. Film wie ein roter Faden der analytische, schnelle, verwahrloste, tölpelhafte, verkleidungsbegabte Holmes,- mit tollen Bildern (verwurmte Leichen, viktorianisches London, urige Laboratorien-Einrichtungen,...) & jeder Menge schlüssiger, von Holmes zum Schluss vollends aufgelöster "Zaubertricks". Wer Filme in der Aufmachung wie z.B. "From Hell- Jack the Ripper" "Das Vermächtnis der Tempelritter" mag ist auch hier gut bedient. Ein etwas anderer Holmes mit ETWAS mehr Action, aber dennoch sehr empfehlenswert!
Sherlock Holmes ist cool!August 19, 2010 Steffi_SRB 3 aus 4 fanden die folgende Rezension hilfreich
Trotzdem ich beim Kauf skeptisch war, bin ich im Endeffekt total begeistert. Relaitätsnahe Nachstellungen sind nicht zu erwarten, aber für einen gemütlichen Abend und zur leichten Unterhaltung ist der Film wirklich zu empfehlen.
A Drop of the Hard StuffJanuar 28, 2010 Mister Decay(Hochdahl) 38 aus 55 fanden die folgende Rezension hilfreich
Kaum hatte ich den ersten Trailer gesehen, war mir klar, dass endlich wieder ein Film ins Kino kommen würde, auf den es sich lohnen würde hin zu fiebern. Sich nicht einfach nur darauf zu freuen, nein, richtig darauf hin zu fiebern. Die ersten paar Ausschnitte waren absolut überzeugend und die Hauptrolle mit Robert Downey Jr. zu besetzen, schien ein echter Glücksgriff oder Geniestreich. Die anderen Glücksgriffe waren zu diesem Zeitpunkt für mich nicht einmal absehbar. Erst nachdem mir in den ersten Berichten über den Film bewusst wurde, dass auch noch Jude Law den Watson gibt und das unter der Regie von Guy Ritchie schien das Kinowunder 2010 perfekt. Eine Legende der Literatur, die auch auf der Leinwand schon einige Glanzpunkte erlebt hatte, wurde nach einigen Jahrzehnten Ruhe und Verbannung ins Fernsehprogramm, fit gemacht für den ganz großen Leinwandauftritt. Könnte hiermit der große Wurf gelingen und endlich wieder einmal ein neuer Kinoheld die Bühne betreten, der sich ins Gedächtnis brennen wird? Vielleicht bin ich durch das ein oder andere Arthur Conan Doyle Buch in meiner Kindheit zu sehr vorbelastet, aber wem würde ich diesen Auftritt mehr gönnen als dem guten, alten Meisterdetektiv Sherlock Holmes?!
Es geschieht selten, wenn dann aber unbeirrt: bei manchen Filmprojekten, weiss man einfach intuitiv im Voraus, dass sie nicht scheitern können. Dies war mir hier diesmal von vornherein klar. Die Voraussetzungen dafür waren der Faible für den Detektiv, rasante Actionfilme, eine gothische Atmosphäre, Blut, Schweiss und Tränen und eine gewisse England-Affinität. Siehe da, meine absolut treue Zuversicht in dieses Projekt, ist um keinen Deut enttäuscht worden.
Alleine die Einführung der beiden Titelhelden durch eine hektische Überwältigungs- und Kampfszene, hat nichts zu wünschen übrig gelassen und in der ungestümen Schnitttechnik fast an die atemlosen Kampfszenen zu Beginn von "Gladiator" erinnert. Das faszinierende an diesem Holmes Film ist, dass ständig Erinnerungen an andere Filme aufkommen und man dabei ständig das Gefühl hat, dieser Film würde alles sogar noch besser machen. Angefangen bei der Atmosphäre und Ausstattung des Films, erinnert wird man an "From Hell" oder "Das Parfüm" und auch hier wirkt das England des ausgehenden 19.Jahrhunderts authentisch und herrlich düster. Ein literarischer Held aus dieser Zeit im Gewande eines Action-Helden lässt sofort an "Die Liga der Außergewöhnlichen Gentlemen" denken, nur vermeidet Guy Ritchie alle Fehler des genannten Streifens. Seine Inszenierung ist näher dran an den Hauptdarstellern, zeichnet ein tiefergehendes Charakterbild seiner Protagonisten, konzentriert sich nicht nur auf Effekte, lässt sie aber auch nicht aus. Er trägt an den richtigen Stellen dick auf und lässt an anderen Stellen lieber etwas weg. Hier ist weniger manchmal mehr und wenn es doch gebraucht wird, fährt Ritchie die richtigen Geschütze auf. In der heutigen Zeit wäre ein steifer, analytischer Dandy im Kino sicher fehl am Platz und dieser Holmes wird glücklicherweise dem Fernsehprogramm überlassen.Im Kino zeigt Robert Downeys Darbietung des Holmes eher die Nähe zwischen Hochbegabung und ADS. Er ist auf ständiger Suche nach Stimulation, lässt sich aber genau so gerne hemmungslos gehen, sobald diese ausbleiben. Seine geistigen Fähigkeiten und kämpferischen Talente heben ihn aus der Masse ab, prädestinieren ihn damit als Projektionsfläche für den Zuschauer, die damit einhergehende Einsamkeit lässt ihn aber zugleich auch sehr menschlich wirken. Diesem Held sind nicht nur Höhen bekannt, er kennt auch die Tiefen des menschlichen Daseins, nimmt diese aber genauso leidenschaftlich an und zelebriert damit das Leben in all seinen Facetten. Alleine das hat ihn in meinen Augen zu einem der sympathischten Leinwandhelden der letzten Jahrzehnte gemacht.
Er erkennt Zusammenhänge in Sekundenbruchteilen, zieht Schlussfolgerungen die anderen unentdeckt bleiben, verlässt sich ganz auf seinen Intellekt, beherrscht Selbstverteidigung und den bloßen Faustkampf gleichermaßen intuitiv, als auch kühl rational und setzt sich über gesellschaftliche Regeln hinweg. Er interessiert sich für die unterschiedlichsten Themen, hat ein immenses, wissenschaftliches Wissen angesammelt, kann fachübergreifende Zusammenhänge erkennen und zieht sich für diverse Experimente auch gerne mal tagelang in seine abgedunkelten, völlig verlebten Gemächer zurück. Was kann man mehr von einem Held des Formates Sherlock Holmes verlangen?
Die Geschichte lasse ich hier unerwähnt, da sie in meinen Augen auch nicht das wichtigste in diesem Film ist. Sie vereint jedoch die wichtigsten Aspekten einer klassischen Holmes Geschichte mit den wichtigsten Aspekten des modernen Actionfilms, im historischen, viktorianischem Ambiente. Geheime Organisationen, kriminelle Bünde, Diebstähle, verschwundene Personen, Drohungen, scheinbar unerklärliche Todesfälle, Staatsinteressen und Bedrohungen der öffentlichen Sicherheit, Serienmorde, Kampfszenen, Schiessereien und Explosionen werden hier zu einer rastlosen Geschichte verbunden. Die Gegenspieler und Bösewichte sind hier Holmes ebenbürtig und erinnern in ihren Charakteren an die Glanzpunkte der Fieslinge aus der Bond-Serie. Allgemein kann man sagen, das Holmes mit diesem Film endlich auf Augenhöhe von Bond spielt, diesen sogar noch überholt. Zum Glück bietet der Film genügend Indizienpunkte, das auch aus diesem Film eine Serie werden könnte.
Weiterhin erwähnenswert ist die Filmmusik, die sich auf einen unaufdringlichen Score von Hans Zimmer an den richtigen Stellen beschränkt. Glücklicherweise beschränkt sich das einzig moderne an der Musik hier auf einen Irish-Folk Einfluss in manchen Stellen des Films und im Abspann. Alles zusammen ergibt einen mehr als angemessenen Umgang mit einem britischen Nationalheiligtum, sehr kurzweilige Kinounterhaltung mit hervorragenden Darbietungen der fzum großen Teil britischen Besetzung und damit verbunden der Wunsch nach mehr Holmes. So bleibt nur zu hoffen, das es einen Directors Cut auf der DVD gäbe.
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