Ein würdiges FinaleAugust 11, 2007 10 aus 12 fanden die folgende Rezension hilfreich
KEIN SPOILER!
Wie wahrscheinlich jede/r war ich auf diesen 7. und letzten Band des Harry Potter-Zyklus gespannter als auf jeden anderen, denn schließlich musste sich mit diesem zugleich alles auflösen, beenden und dennoch den Leser zufrieden stellen. In den Teilen 5 und 6 war Rowlings wachsende Begeisterung für verschachtelte Handlungsstränge bereits spürbar, und diese setzt sie in Teil 7 fort. Der Roman beginnt wieder mit ein paar Kapiteln, die Basis und Hintergründe aufdecken und Geschehnisse fernab von Harry und seinen Schulkollegen erzählen, ehe er Kurs auf die Zentralhandlung nimmt, die ja am Ende des 6. Teiles bereits angekündigt wird: Harry, Ron und Hermione machen sich auf die Suche nach Voldemorts Horkruxen. Nicht schwer vorzustellen, wie abenteuerlich und spannend diese Suche abläuft, und Rowling gelingt es, die so hart erwünschten Erfolgserlebnisse ordentlich hinauszuzögern ohne dass jedoch Langeweile aufkommt. Unangenehme Begegnungen mit den Todessern oder anderen Kreaturen der Magierwelt werden aufgelockert durch etwas von Rowling liebevoll und realistisch Beschriebenes, nämlich das Gefühlschaos der mittlerweile 17jährigen Teenager. Ohne ins Kitschige abzudriften oder den eigentlichen Main Plot die kriegerischen Zustände zwischen Gut und Böse in der Zaubererwelt aus den Augen zu verlieren, vertieft die Autorin die Charaktere ihrer drei Hauptpersonen angesichts Todesangst und Verliebtheit (worauf ich nun nicht näher eingehen möchte, um nichts vorweg zu nehmen!) Wie zu erwarten war kommt es zu einem Grande Finale der Superlative, bei dem kein Stein auf dem anderen bleibt und auch ein paar Tote zu beklagen sind. Zugleich schließt sich jedoch der Kreis um einige Personen, deren wahre Absichten und Charaktere bisher nie ganz eindeutig waren, und mithilfe von Erinnerungen und langen, Rowling-typischen Dialogen (und mit Rowling-typisch meine ich witzig, rührend und exquisit!) öffnet sich bildlich gesprochen die Karte an verschiedenen Stellen, bis sie schließlich offen auf dem Tisch liegt.
Mit Sicherheit ist es ein Schwieriges, sämtlichen Anforderungen gerecht zu werden, die an eine derart millionenschwere Autorin und ihren jahrelangen Helden gerichtet werden. Ich glaube aber auch, dass es für Joanne K. Rowling selbst alles andere als leicht war, die Geschichte an ein würdiges Ende zu bringen, mit dem sie selbst zufrieden sein kann, denn schließlich kann man eine tolle Story ja durch ein verpatztes Finale unwiderruflich schädigen. Das ist hier jedoch keinesfalls passiert, sondern eher das Gegenteil: Ohne zu übertreiben, zusammenzureimen oder schlichtweg eine Hintertür namens mieser Auflösung zu benutzen, beendet Rowling das Abenteuer um Harry Potter mit einem Augenzwinkern, einer Träne im Knopfloch, fesselnder Spannung und ein wenig Tolkienscher Dramatik, sodass man sich von diesem Roman nicht mehr wegbewegen kann, ehe man mit einem Anflug von Nostalgie die letzte Seite beendet hat.
Showdown mit allen RegisternSeptember 1, 2007 12 aus 14 fanden die folgende Rezension hilfreich
Meine Freundin hat den Band vor mir gelesen und mir -um nicht zu viel zu verraten- nur den Hinweis gegeben: "Es sterben viele." Und nachdem ich ein letztes Mal in die Potter-Welt eingetaucht bin, kann ich ihr nur recht geben. Und ich mag mich irren, aber meiner Ansicht nach hat J.K.Rowling mit diesem Band den Bereich "Kinderbuch" verlassen, zu erwachsen, zu ethisch sind teilweise die behandelten Themen - und stellenweise ist es auch recht brutal, wie beim Endkampf mit dem Dunklen Lord nicht anders zu erwarten.
Es ist zwischendurch ein wenig unübersichtlich geraten, außerdem finde ich den Epilog etwas daneben. Deshalb habe ich mit mir gerungen, ob das wirklich 5 Sterne sind. Allerdings ist die Auflösung (beinahe) aller Rätsel, aller aufgehäuften Fragen (inkl. der, ob Snape denn nun wirklich ein "Böser" ist) so gut gestrickt und intelligent vorbereitet, dass man einfach den (spitzen ?) Hut davor ziehen muss. Grandioser Abschluss, wirklich.
Phantastisches Finale für eine zauberhafte Buchreihe...August 6, 2007 13 aus 17 fanden die folgende Rezension hilfreich
Ja, ich war rasend neugierig, wer überlebt.... aber das war nicht allein der Grund, warum ich HP 7 verschlungen habe. Von Anfang an tobt actionreich der Kampf zwischen Gut und Böse (mit einigen Sequenzen, die sich ganz bestimmt prima verfilmen lassen, und sicherlich freuen sich die Filmleute auch darüber, dass sie die Spinnen aus Teil 2 nochmal verwenden können... *g*), und so manche schier aussichtslose Situation in denen Harry, Ron und Hermione sich wieder finden, sorgt für atemlose Spannung. Unerwartete Wendungen, neue Blickwinkel auf bisherige Geschehnisse, neue Handlungsstränge, viele viele Rätsel und bis zum Schluss die Frage: wer überlebt..? Zum Glück aber auch am Ende lauter wunderbar verknüpfte Fäden, alles wird schlüssig erklärt und aufgelöst - wenn ich auch die Verbindung zwischen Voldemort und Harry etwas kompliziert fand. Aber hier kann man sich ohnehin nur zurücklehnen und akzeptieren, was uns von der Autorin an Erklärungen serviert wird. Ich finde das Ende äußerst gelungen, inklusive des häufig kritisierten Epilogs. Wenn man die letzten Kapitel mit Harry durchlitten hat (ich gebe zu, dass ich hier ein oder zwei Tränchen abgedrückt habe), dann tun ein paar abschließende Streicheleinheiten gut und erleichtern den Abschied aus der Zauberwelt... Insgesamt eine tiefe Verneigung vor J.K. Rowling, ihrer unerschöpflichen Phantasie, dem zauberhaften Humor, der wie ein vertrautes Augenzwinkern in allen Bänden zu finden ist, und ihrer wunderbaren Erzählgabe.
Würdiger Abschluss der HeptalogieAugust 12, 2007 15 aus 18 fanden die folgende Rezension hilfreich
Uff, geschafft: nach vielen Nächten mit wenig Schlaf habe ich das Buch endlich durch! Rowling hat es mal wieder geschafft, mich so zu fesseln, dass ich das Buch ungern beiseite legen konnte.
Dies lag vor allem an den vielen Cliffhangern: am Ende fast jeden Kapitels gab es eine überraschende Wendung der Ereignisse. Man konnte einfach nicht sagen, dieses Kapitel noch bis zu Ende, und dann gehe ich ins Bett... Ein Beispiel sei genannt, ohne viel zu verraten: es gibt - vor allem im Mittelteil des Buches - einige Passagen, in denen das ansonsten hohe Tempo beruhigt wird. Z.B. als die drei Hauptprotagonisten gerade über ihr Sneakoskop (eine Art Zauberradio) die Sendung "Potterwatch" hören, sich über Neuigkeiten freuen und sich die über Wochen aufgebaute Ungewissheit und Anspannung etwas löst (auch beim Leser), hören sie "Kommt mit erhobenen Händen heraus!... Auf euch sind ein halbes Dutzend Zauberstäbe gerichtet und wir werden keine Rücksicht darauf nehmen, einen zu verfluchen!". Und das Kapitel ist damit zu Ende. Und so geht das eben ständig.
Der Zeitraum der Handlung erfasst wieder etwa den Zeitraum eines Schuljahres. Und - soviel sei verraten - es geht hollywoodmäßig los: Harry muss mit einem enormen Aufwand von den Dursleys an einen sicheren Ort gebracht werden, bevor der besondere Schutzzauber, der über dem Vorstadthaus liegt, mit dem 17. Geburtstag von Harry erlischt. Dabei entspinnt sich auch gleich ein verlustreicher Luftkampf der Phönixorden-Leute mit Totessern und Voldemort. Im Verlaufe der weiteren Geschichte werden Harry, Ron und Hermione vom Phönixorden und dem Rest der Zaubererwelt getrennt und werden zur Flucht und in den Untergrund gezwungen. Sie sehen sich in der Pflicht, Dumbledores Auftrag zu erfüllen, die Horkruxe zu finden und zu vernichten, haben aber keine Ahnung, wie das zu machen wäre. Aber durch (anscheinend) zufällig auftretende Ereignisse und Glück kommen sie dem Ziel immer ein kleines Stück näher. Dabei müssen sie viele actionreiche Abenteuer bestehen.
Die Harry-Potter-Romane hat bisher immer besonders ausgezeichnet, dass schrullig-skurrile Typen mit Macken und Eigenheiten liebevoll und detailliert beschrieben darin vorkommen. Aber nicht karikiert werden, sondern als eigenständige glaubwürdige Charaktere bestehen. Eben in bester britischer Manier. Im siebenten Roman nun werden im gewohnten Umfang (leider) keine solchen Menschen mehr eingeführt. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Vater von Luna Lovegood (kann man sich ja vorstellen, dass der nicht "normal" ist :-), der übrigens auch als Beispiel für eine der recht vielen überraschenden Wendungen angeführt werden darf. Statt dessen können sich die Actionfreunde freuen: bis hin zur finalen Schlacht gibt es einen Haufen actionhaltiger Szenen, bei denen übrigens - ja! - auch durchaus einige vom Leser liebgewonnene Personen sterben. Und man fragt sich bis zuletzt, ob, wie und wer von den Hauptprotagonisten ums Leben kommt.
Während des Buches kommen nochmal alle magischen Figuren, Monster und Gegenstände aller HP-Romane zu ihrem großen Auftritt. Selbst Molly Weasley wird z.B. zur besonderen Heldin. Mich persönlich freut vor allem, dass meine Lieblingsfigur Luna Lovegood relativ häufig eine Rolle in der Geschichte spielt (hätte durchaus auch mehr sein können :-). Es werden auch einige neue (Neben-) Figuren und Gegenstände eingeführt, die die Geschichte geheimnisvoller und spannender machen, als sie ohnehin schon ist. Hier spielt vor allem die uralte Sage von gewissen Deathly Hallows eine Rolle, die Zauberereltern gewöhnlich ihren Kindern zum Einschlafen vorlesen...
Apropos "Deathly Hallows": man merkt an vielen Wörtern und Redewendungen, dass Rowling Sprachen studiert und gelehrt hat. Da merkt man auch, dass gemäß einem gängigen Vorurteil die englische Sprache ähnlichen Formenreichtum wie die deutsche aufweisen kann, wenn man nur will (und kann). Ganz abgesehen von den schönen und geistreichen Worterfindungen. Und leider geht der deutschen Übersetzung "Heiligtümer des Todes" die Zweideutigkeit verloren (es könnte ja auch heißen "Tödliche Heilige").
Noch ein paar Worte zum Ende: klar, das Ende ist etwas platt und hat in dieser Form überhaupt keine Chancen auf den Nobelpreis. Aber, hey!, es ist ein Kinderbuch! Jedenfalls soll es wohl offenbar ein solches sein. Manche mögen einwenden, dass die Kinder, die damals den ersten Roman gelesen haben, mittlerweile über 20 Jahre alt sind. Aber es ist anzunehmen, dass es immer Zwölfjährige geben wird, die den Potter zum ersten Mal lesen und sich nicht die Zeit nehmen werden, nur ein Potter-Buch im Jahr zu lesen.
Und ich vermute, dass der kleine Epilog dazu dient, die Geschichte absolut abzuschließen und ein Nachfolgeroman unwahrscheinlicher wird. Und außerdem mutet wie die Eröffnung auch dieser Abschluß sehr wie der Abschluss eines Hollywoodfilms an. Da hätte es Rowling mal nicht so wörtlich nehmen müssen mit ihrem "keine Fragen bleiben offen", und durchaus es mal dem Leser überlassen können, die Geschichte weiterzuspinnen. Eben wie ein Märchen "... and they live happily ever after."
Vom Ende abgesehen ist dieses Buch noch mehr als schon bisher seit dem fünften Roman ein, wie die Amis sagen würden, fast-paced Thriller, der mindestens genauso für Erwachsene geeignet ist, ja, dessen Nebentöne und Hintergeschichten/-gedanken vor allem nur von Älteren verstanden werden dürften.
Wunderbarer Abschluß einer wunderbaren Serie!August 24, 2007 13 aus 16 fanden die folgende Rezension hilfreich
Wie jeder Harry-Potter-Fan habe ich dem letzten Band entgegen gefiebert.
Und es hat sich gelohnt! Wie alle bisherigen Bände habe ich diesen letzten in einem Rutsch verschlungen - der fesselnde Stil Rowlings überzeugt auch diesmal.
Doch nach dem ersten Lesen war ich zunächst enttäuscht - viele Fragen waren meiner Meinung nach offen geblieben. Doch beim zweiten Lesen fand ich viele Antworten zwischen den Zeilen, die ich zuvor vermisst hatte (Draco und der elder ward, Dracos größte Angst etc.). Vor lauter Vorfreude, vor lauter Verlangen nach Lösungen habe ich zugegebendermaßen einige beim ersten Lesen einfach nicht sofort entdeckt.
Denn auch diesmal stellt JKR einen gewissen Anspruch an den Leser.
Auch diesmal hat Rowling mit versteckten Andeutungen, mit intelligenten Wortspielen gearbeitet, die diese Reihe so beliebt machen.
Überzeugend fand ich übrigens, dass sich JKR auch nicht davor gescheut hat, dass es auf beiden Seiten (gut und böse) auch Tote und Verletzte gab.
Dieses Buch ist die Darstellung eines Bürgerkrieges - nicht mehr und nicht weniger - und einen Krieg ohne Tote gibt es nunmal nicht. Auch wenn ich vor allem um zwei meiner besonderen Lieblinge trauern muss - alles andere wäre verkitscht und unrealistisch bis unglaubwürdig gewesen. Denn das diese Reihe schon seit Band 3 kein "Kinderbuch" im eigentlichen Sinne ist, sondern durchaus realistische Darstellungen von Politik, Fehlpolitik und auch Krieg und Gewalt beinhaltet, wissen wir doch. Ein "großer Kampf" ohne Tote und Verletzte kann nicht funktionieren.
Rowlings Kritik - manchmal offen, manchmal versteckt - an Korruption, Kriegstreiberei und Rassismus macht dieses Buch zu einem anspruchsvollen Roman.
Der Schluß ist - kitschig.
Aber er rundet diese hervorragende, fesselnde Reihe ab, er schafft Frieden und befreit. Ich finde ihn trotz der Romantik und den (zugegebendermaßen vorhandenen) Klischees mehr als gelungen.